EINE KRITISCHE ÜBERPRÜFUNG DES BIOPSYCHOSOZIALEN MODELLS ZUR BEHANDLUNG VON RÜCKENSCHMERZEN: ZEIT FÜR EINEN NEUEN ANSATZ?

K. Mescouto1, R. Olson2, PW Hodges1, J. Setchell1
1Die University of Queensland, School of Health and Rehabilitation Sciences, Brisbane, Australien, 2Die University of Queensland, School of Social Science, Brisbane, Australien

Hintergrund: Schmerzen im unteren Rücken (LBP) sind weltweit die häufigste Ursache für Behinderungen. Klinische Leitlinien und Positionserklärungen empfehlen dringend, das biopsychosoziale Modell (BPS) zu verwenden, um das Management von Menschen mit LBP zu informieren, indem ein humanistischerer Ansatz gefördert wird. Es gibt jedoch immer noch keinen klaren Konsens über das konzeptionelle Verständnis dieses Modells in der Physiotherapie, und es gab nur begrenzte kritische Analysen darüber, wie die Physiotherapie das BPS-Modell konzeptualisiert und umsetzt.

Zweck: Untersuchung der Konzepte und Annahmen, die der Verwendung des Begriffs „biopsychosozial“ in der physiotherapeutischen Literatur in der LBP-Versorgung zugrunde liegen.

Methoden: Wir führten eine kritische Überprüfung durch und verwendeten die qualitative Methode der Diskursanalyse, um ausgewählte Artikel zu analysieren, die aus den Datenbanken PubMed und Web of Science abgerufen wurden. Unsere Analyse untersuchte, wie Artikel das BPS-Modell in der LBP-Versorgung konstruierten und wie diese Konstruktionen Praktiken, Identitäten und Machtverhältnisse innerhalb der Anwendung des Modells in der Physiotherapie informieren und formen können. Ein Forscher las jeden der ausgewählten Artikel durch, und um die Genauigkeit der Ergebnisse zu verbessern, lasen zwei erfahrene qualitative Forscher unabhängig voneinander den Datensatz durch. Diskurse wurden bis zur Einigung diskutiert. Ein weiterer Ermittler lieferte eine externe Perspektive und bestätigte die abschließende Analyse.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 55 Artikel eingeschlossen. Unsere Analyse dieser Artikel diskutiert vier zentrale Diskurse:
1) BPS als biologisch (Verschmelzung);
2) BPS als (hauptsächlich und eng) psychologisch;
3) BPS als (gelegentlich involvierendes) soziales; Und
4) BPS als andere Aspekte der Pflege.
In den meisten Artikeln war mehr als ein Diskurs offensichtlich, aber die Betonung bestimmter Faktoren gegenüber anderen war offensichtlich darin, wie das Verständnis des BPS-Modells in der Physiotherapie konstruiert wurde. Die Diskursanalyse legte nahe, dass die Texte zwar psychologische und soziale Aspekte anerkannten, der Fokus aber weiterhin auf biologischen Aspekten lag. Viele Texte verschmolzen das BPS mit dem biomedizinischen Modell, indem sie die Verwendung von Behandlungsansätzen betonten, die sich darauf konzentrierten, Patienten über Schmerzneurophysiologie aufzuklären und das BPS-Modell von seiner Trifecta auf das „Bio“ zu reduzieren. Die Texte konzentrierten sich auch eng und hauptsächlich auf einige psychologische Aspekte wie Kognition und Verhalten, und soziale Aspekte wurden kaum berücksichtigt. Soweit vorhanden, beschränkten sich soziale Aspekte weitgehend auf Beruf und Familie. Andere Aspekte, die für einen umfassenden Ansatz zum LBP-Management relevant sein könnten, wie Kultur, gelebte Erfahrung der Patienten, Machtdynamik, Ethik und Moral, waren selten oder überhaupt nicht vorhanden.

Schlussfolgerung(en): Unsere kritische Überprüfung legt nahe, dass ein BPS-Ansatz in der Physiotherapie in den ausgewählten Texten dazu neigt, das Biomedizinische und Psychologische zu bevorzugen und die sozialen Aspekte der Gesundheit und andere wichtige Faktoren wie zwischenmenschliche oder institutionelle Machtdynamiken, kulturelle Erwägungen sowie ethische und moralische Faktoren zu marginalisieren oder zu unterwerfen LBP-Pflege.

Implikationen: Einige Implikationen dieser Ergebnisse könnten darauf hindeuten, dass das BPS-Modell in der Physiotherapie ziemlich eng konzeptioniert und angewendet wird, was genau die Denkweise verstärkt, die das Modell überwinden soll. Unsere Analyse legt nahe, dass das BPS-Modell als vorherrschender Ansatz in der Physiotherapie eine Neukonzeption erfordert und dass breitere und neue Ansätze gerechtfertigt sein könnten.

Finanzierung, Danksagungen: Diese Arbeit wurde unterstützt durch Stipendien des National Health and Medical Research Council of Australia [JS: APP1157199 und PH: APP1102905]

Stichwort: Biopsychosozial, Rückenschmerzen, Qualitative Forschung

Thema: Schmerz & Schmerztherapie

War für diese Arbeit eine ethische Genehmigung erforderlich? Nein
Institution: Die Universität von Queensland
Ausschuss: Der Ethikausschuss der Universität von Queensland A
Begründung: Es handelte sich um eine systematische Literaturrecherche, daher war kein Ethikvotum erforderlich


Alle Autoren, Zugehörigkeiten und Abstracts wurden wie eingereicht veröffentlicht.

Zurück zur Auflistung