Wissen, Selbstvertrauen und Bildungsbedarf kanadischer Physiotherapeuten, die mit Menschen mit Demenz arbeiten

S. Jäger1, C. Arnold2, M. Auais3, L. Beaupre4, V. Dal Bello-Haas5, C. McArthur6, T. Liu-Ambrose7, K. Nugent8, M. Savundranayagam9
1University of Western Ontario, School of Physical Therapy, London, Kanada, 2University of Saskatchewan, School of Rehabilitation Science, Saskatoon, Kanada, 3Queens University, School of Rehabilitation Therapy, Kingston, Kanada, 4University of Alberta, School of Physical Therapy, Edmonton, Kanada, 5McMaster University, School of Rehabilitation Science, Hamilton, Kanada, 6Dalhousie University, School of Physical Therapy, Halifax, Kanada, 7University of British Columbia, Physiotherapie, Vancouver, Kanada, 8University of Western Ontario, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, London, Kanada, 9University of Western Ontario, School of Health Studies, London, Kanada

Hintergrund: Physiotherapie für Menschen mit Demenz (PLWD) kann die Mobilität verbessern, Stürzen vorbeugen und die Unabhängigkeit bewahren. Die Demenzstrategie für Kanada (2019) beinhaltete das Ziel, qualifizierte Arbeitskräfte im Gesundheitswesen in diesem Bereich aufzubauen. Dennoch gilt die Bereitstellung einer fachkundigen Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderungen als globale Herausforderung. Untersuchungen haben ergeben, dass medizinische Fachkräfte bei der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen folgende Einschränkungen haben: negative Einstellungen, mangelndes Selbstvertrauen und fehlende Bildungschancen. Daher ist es wichtig, die Erfahrungen von Physiotherapeuten zu verstehen, die mit Menschen mit Behinderungen arbeiten, um den Bildungsbedarf zu ermitteln und Schulungen zu entwickeln, um dieser gefährdeten Gruppe eine optimale Versorgung zu bieten.

Zweck: Bewertung des Wissens-, Selbstvertrauens- und Bildungsbedarfs von Physiotherapeuten bei der Arbeit mit Menschen mit Demenz.

Methoden: Eine Online-Umfrage auf Englisch oder Französisch wurde von in Kanada registrierten Physiotherapeuten ausgefüllt. Es wurden Daten zu Demografie, Trainingserfahrung bei Demenz, Confidence in Dementia Scale (Elvish et al. 2014), Dementia Knowledge Assessment Scale (DKAS) 2.0 (Annear et al. 2015) und Impact of Cognitive and Behavioral Symptoms on Physiotherapy Treatment (Staples) gesammelt & Killian 2012) und Strategien für kognitive und Verhaltenssymptome (McGilton et al. 2007).

Ergebnisse: Insgesamt haben 130 Physiotherapeuten an der Umfrage teilgenommen (Alter = 39.8 (10.7) Jahre und 12.5 (11.0) Praxisjahre). 55 % der Teilnehmer berichteten über Aufklärung über Demenz und die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen während der Berufseinstiegsschulung und 65 % nach dem Abschluss. Lediglich 47.3 % gaben an, mit ihrer Ausbildung zufrieden zu sein. Der Schweregrad der Demenz hatte Einfluss auf die Bewertung des Trainings. Das Training wurde von 60.3 % bei leichter Demenz, 49.6 % bei mittelschwerer Demenz und 29.2 % bei schwerer Demenz als ausreichend angegeben. Das Wissen über Demenz betrug im DKAS 60 %, mit Unterbewertungen von 60 % für Ursachen und Merkmale, 67 % für Kommunikation und Verhalten, 50 % für Pflegeerwägungen und 65 % für Risiken und Gesundheitsförderung. Das Vertrauen in die Arbeit mit Menschen mit Demenz lag bei 67.4 %, wobei die Werte zwischen 38 % und 88 % lagen. Die Menschen gaben an, dass sie Strategien zur Behandlung der Verhaltenssymptome Angst (67 %), Unruhe (61 %), Enthemmung (58 %) und Aggression (49 %) hätten. Die Menschen berichteten, dass sie über Strategien verfügten, um kognitive Symptome bei Gedächtnisproblemen (79 %), verminderter Initiative (62 %), mangelnder Einsicht (52 %) und Sprachbeeinträchtigungen (50 %) anzugehen. Insgesamt gaben 59.7 % eine gute Arbeitszufriedenheit bei der Betreuung von Menschen mit Demenz an.

Schlussfolgerungen: Die Studie ergab, dass das Selbstvertrauen und die Arbeitszufriedenheit bei der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen insgesamt mittelmäßig bis gut waren. Zu den Bildungsanforderungen gehörten Kenntnisse über Demenz und Rehabilitationsstrategien zur Behandlung von Verhaltens- und kognitiven Symptomen, die bei allen Schweregraden der Erkrankung eingesetzt werden können, insbesondere bei Menschen mit schwerer Demenz. Eine gezielte Ausbildung zum Aufbau von Selbstvertrauen und Kompetenz muss in der Berufseinstiegsausbildung beginnen und in weiterführenden Kursen für Physiotherapeuten verfügbar sein.

Implikationen: Da die Zahl der Menschen mit Demenz zunimmt, werden Physiotherapeuten in allen klinischen Umgebungen (z. B. in der Akutversorgung und im gemeinschaftlichen Umfeld) mehr direkten Kontakt mit Klienten mit Demenz haben. Die Bereitstellung einer optimalen physiotherapeutischen Versorgung für Menschen mit Demenz stellt Gesundheitsdienstleister vor große Herausforderungen, insbesondere wenn sie nicht darauf vorbereitet sind. Diese Studie wird in die Entwicklung von Ausbildungsinhalten für Physiotherapiestudenten und Physiotherapeuten einfließen, die mit Menschen mit Demenz arbeiten.

Finanzierungshinweise: Fakultätsstipendiat der University of Western Ontario.

Stichwort:
Bildung
Demenz
Fragebogen

Themen:
Ältere Menschen
Ausbildung: klinisch
Neurologie

War für diese Arbeit eine ethische Genehmigung erforderlich? ja
Institution: University of Western Ontairo
Ausschuss: Ethikrat für Gesundheitsforschung
Ethiknummer: HSREB#116890

Alle Autoren, Zugehörigkeiten und Abstracts wurden wie eingereicht veröffentlicht.

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