VALIDITÄT UND TEST-RETEST-ZUVERLÄSSIGKEIT VON SMART EYEGLASES ZUR ERKENNUNG VON AUGENBEWEGUNGEN UND ZUR BEWERTUNG DER MOTORBILDERFÄHIGKEIT BEI PATIENTEN NACH DEM SCHLAG

S.Gäumann1, A. Aksöz1,2, L. Cappelletti3, A. Krug4, D. Mörder5, C. Schuster-Amft1,6,7
1Reha Rheinfelden, Forschungsabteilung, Rheinfelden, Schweiz, 2Universität Bern, ARTORG Center for Biomedical Engineering Research, Labor für motorisches Lernen und Neurorehabilitation, Bern, Schweiz, 3Berner Fachhochschule, Departement Gesundheitsberufe, Bern, Schweiz, 4Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Departement Gesundheitsberufe, Institut für Physiotherapie, Winterthur, Schweiz, 5Universität Konstanz, Fachbereich Sportwissenschaft, Philosophische Fakultät, Konstanz, Deutschland, 6Berner Fachhochschule, Institut für Rehabilitation und Leistungstechnik, Burgdorf, Schweiz, 7Universität Basel, Departement Sport, Bewegung und Gesundheit, Basel, Schweiz

Hintergrund: Motor Imagery (MI) ist eine leistungsstarke Trainingstechnik. In Kombination mit körperlicher Praxis (PP) kann es die Genesung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen verbessern. Die größte Herausforderung bei der Messung der MI-Leistung in der klinischen Praxis ist jedoch der Mangel an gültigen und zuverlässigen mobilen Messgeräten.

Zweck: Bewertung der Validität und Test-Retest-Zuverlässigkeit der J!NS MEME Smart Eyeglasses (SE) im Vergleich zur konventionellen Elektrookulographie (EOG), um Augenbewegungen während körperlicher Übungen und mentaler Simulation bei Patienten nach einem Schlaganfall zu erkennen.

Methoden: Patienten nach erstmaligem Schlaganfall wurden bei zwei Messereignissen innerhalb von 7 Tagen untersucht. Die MI-Fähigkeit wurde anhand der Kurzform des Kinästhetik- und des visuellen Fragebogens (KVIQ-10), des Tests der mentalen Rotation (MenRo) und der mentalen Chronometrie (MenChr) bewertet.
Zur Beurteilung der Augenbewegungen wurde das EOG-Signal mit Elektroden aufgezeichnet, die über und unter dem Auge auf der vertikalen Achse der Pupille auf der betroffenen Körperseite des Patienten platziert wurden. Gleichzeitig wurden SE-Signale mit in die Nasenpads integrierten EOG-Sensoren aufgezeichnet.
Die Patienten saßen vor einem Computerbildschirm und erhielten akustische und visuelle Anweisungen. Eine Kinnstütze schränkte die Kopfbewegungen ein. Nach einer 30-sekündigen Ruhephase stellten sich die Patienten eine einseitige Bewegungsaufgabe der oberen und unteren Extremitäten vor oder führten diese aus. In zufälliger Reihenfolge stellten sie eine Tasse auf die markierten Felder A, B oder C. Nach einer Pause stellten sich die Patienten vor oder führten aus, mit einem Fuß auf A, B oder C zu tippen. Sowohl PP- als auch MI-Bedingungen wurden 40 Mal wiederholt.
Die Gültigkeit des SE im Vergleich zum herkömmlichen EOG wurde mit Kreuzkorrelationen berechnet, um die Ähnlichkeit in der Form zwischen den Signalen für jeden Patienten zu messen. Um die Test-Retest-Zuverlässigkeit zu bestimmen, wurden Intraklassen-Korrelationskoeffizienten (ICCs, 95 % Konfidenzintervall) für alle Patienten und für jeden Zustand berechnet.

Ergebnisse: Bisher wurden 13 Patienten (2 Frauen; mittlere Zeit (Tage) seit Schlaganfall: 570.9 ± 1607.5; mittleres Alter 58.46 ± 15.2) gemessen. Der mittlere KVIQ-10-Wert betrug 38.5 ± 7.7. Das mittlere MenRo betrug 29.85 ± 1.99 von 32. Das mittlere MenChr-Kongruenzverhältnis betrug 0.88 ± 0.3. Die mittlere Korrelation zwischen den Signalen von EOG und SE betrug während PP r= 0.47 und während MI r= 0.45. ICCs für PP und MI waren 0.51 und 0.52.

Schlussfolgerung(en): Der SE könnte als valides und zuverlässiges Instrument angesehen werden, um Augenbewegungen während PP und MI einer Bewegung zu beurteilen. SE könnte eine mobile Messoption sein, um MI in der klinischen Routine zu evaluieren.

Implikationen: Die Echtzeitmessung der MI-Leistung bei einfachen und komplexen Aktivitäten des täglichen Lebens würde eine objektive Einschätzung der MI-Fähigkeit liefern. Dies wiederum würde es uns ermöglichen, das MI-Training für die Klinik und das Heimtraining zu optimieren und anzupassen.

Finanzierung, Danksagungen: Die Studie wurde gefördert von der Stiftung zur Förderung von Wissenschaft, Forschung, Bildung und Gesundheit, Vaduz, Liechtenstein.

Stichwort: Bewegungsvorstellungen beim Schlaganfall, Validität, Test-Retest-Reliabilität

Thema: Neurologie: Schlaganfall

War für diese Arbeit eine ethische Genehmigung erforderlich? ja
Institution: Ethikkommission der Zentral- und Nordwestschweiz
Kommission: Ethikkommission der Zentral- und Nordwestschweiz
Ethiknummer: 2019-00348


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